Developmental Origins of Human Normativity
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Die DeNo Forschergruppe („Developmental Origins of Human Normativity“) untersucht unter der Leitung von Dr. Marco F. H. Schmidt die entwicklungspsychologischen Grundlagen menschlicher Normativität und Kooperation. Im Zentrum unserer Forschung steht die Frage, wie Kinder ein Verständnis von Normen und Regeln entwickeln und von welchen sozial-kognitiven und motivationalen Fähigkeiten dies abhängt.

Mehr zu unserer Forschung erfahren Sie hier.

Aktuelles

Kindliche Metaethik: Wer hat Recht, wenn zwei sich über moralische Fragen streiten?

Wenn zwischen zwei Personen moralischer Dissens herrscht – etwa darüber, ob es in Ordnung ist, jemandem an den Haaren zu ziehen – dann kann die eine Person denken, dass es richtig ist so zu handeln, während die andere Person überzeugt ist, dass es falsch ist, diese Handlung zu tätigen. Wenn wir dann selbst über die "Wahrheit" dieser moralischen Urteile beider Personen nachdenken, dann gehen wir in ein metaethisches Urteil über. Die beiden geläufigsten Arten des metaethischen Urteils sind die objektivistische Haltung (d.h. nur eine Person hat Recht) und eine relativistische Haltung (d.h. beide Personen können Recht haben).

In einer Studie, die letzthin im Journal of Experimental Child Psychology angenommen wurde, untersuchten wir das sich entwickelnde metaethische Urteil von Kindern im Kontext von moralischem Dissens zwischen zwei Handpuppen, die entgegengesetzte moralische Urteile fällten. Eine Handpuppe war immer ein Mitglied der Eigengruppe, das ein typisches moralisches Urteil fällte (z. B. dass es falsch sei, jemandem an den Haaren zu ziehen), während die andere Puppe entweder ein anderes Gruppenmitglied oder ein Außerirdischer (mit anderen Vorlieben und kulturellem Hintergrund) war, das/der ein atypisches moralisches Urteile fällte (z. B., dass es in Ordnung sei, jemandem an den Haaren zu ziehen). Wir haben gefunden, dass 9-Jährige, aber nicht jüngere Kinder, eher glaubten, dass zwei Personen Recht haben können (eine relativistische Haltung), wenn ein Eigengruppenmitglied und ein Außerirdischer verschiedener Meinung waren, als wenn die zweite Person ebenfalls aus der Eigengruppe stammte. Dieser kontextrelative, gesteigerte moralische Relativismus wurde jedoch nicht in einem Vergleichskontext gefunden, in dem sich die Personen uneins über die Möglichkeit unterschiedlicher physikalischer Gesetze waren. Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass, obwohl Kinder typischerweise einen moralischen Objektivismus vertreten, sie im frühen Schulalter beginnen, von ihrem Objektivismus durch kulturrelativistische metaethische Urteile ein Stück weit abzurücken.

Schmidt, M. F. H., Gonzalez-Cabrera, I., & Tomasello, M. (in press). Children’s developing metaethical judgments. Journal of Experimental Child Psychology.

Übereifrige Regelsuche bei Vorschulkindern

Unsere Studie, die aktuell in der Fachzeitschrift Psychological Science veröffentlicht ist, deutet darauf hin, dass Vorschulkinder soziale Normen ohne jegliche Instruktion auch da vermuten, wo Erwachsene gar keine sehen; nämlich bei Verhaltensweisen, die spontan „einfach mal so“ gezeigt werden und gar keiner Norm unterliegen. Dabei scheint es auszureichen, dass diese zufällig beobachtete Handlung absichtlich ist. Dann schließen die Kinder eigenständig vom Sein (beobachtete Verhaltensweise) auf das Sollen (Verbindlichkeit der Verhaltensweise) – ein klassischer Fehlschluss, auf den schon der Philosoph David Hume vor knapp 300 Jahren hinwies.

Schmidt, M. F. H., Butler, L. P., Heinz, J., & Tomasello, M. (in press). Young children see a single action and infer a social norm: Promiscuous normativity in 3-year-olds. Psychological Science.

Weitere Informationen zu unseren aktuellen Befunden finden sie auch hier.

Das Verständnis von jungen Kindern, wie Normen entstehen

In einer im Fachblatt Child Development veröffentlichten Studie berichten wir, dass bereits dreijährige Kleinkinder verstehen, dass in einer Gruppe neue Regeln durch Zustimmung etabliert werden können. Interessanterweise entsteht für Kinder in diesem Alter eine Regel nur, wenn Einstimmigkeit herrscht – selbst eine Mehrheit von 90% kann demnach keine gültige Regel einführen.

Schmidt, M. F. H., Rakoczy, H., Mietzsch, T., & Tomasello, M. (2016). Young children understand the role of agreement in establishing arbitrary norms—but unanimity is key. Child Development, 87(2), 612–626.

Kinderstudien

Wir laden interessierte Eltern mit Babys und Kleinkindern herzlich dazu ein, an unseren Studien der Münchner „Forscher Früchtchen“ teilzunehmen.

Förderung

Die Internationale Nachwuchsforschergruppe „Developmental Origins of Human Normativity“ wird durch das Elitenetzwerk Bayern gefördert.