Psychologische Beratung und Intervention
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Teilprojekt "Therapie" für Eltern von Kindern im Alter zwischen 1,5 und 16 Jahren

Die Studie richtet sich an psychisch belastete Eltern von Kindern im Alter zwischen 1,5 und 16 Jahren. Bei Interesse an einer Studienteilnahme kontaktieren Sie bitte:

M.Sc.-Psych. Sophia Wriedt

Weitere wichtige Informationen finden Sie auch in unserem Flyer.

Download: Flyer der Studie "Therapie"

Theoretischer Hintergrund der Studie

Nach dem deutschen Sozialreport für das Jahr 2013 leben in Deutschland insgesamt 19 Millionen Kinder/Jugendliche in 1,6 Millionen Ein- und 8,1 Millionen Zweifamilien-Haushalten. Bei einer geschätzten Lebenszeitprävalenz psychischer Erkrankungen von 27.4 %, die mit signifikanten Beeinträchtigungen (disability-adjusted life years/DALYs) für die Altersgruppe der 18‒65-Jährigen assoziiert sind, leben demnach ca. 25 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland mit einem psychisch kranken Elternteil zusammen. Eine Vielzahl psychologischer Entwicklungsrisiken ist mit dem Zusammenleben von Kindern mit psychisch kranken Eltern in Verbindung gebracht worden: geringere schulische Erfolge, vermehrte stress-assoziierte Erkrankungen (z. B. höhere Raten an Asthma und anderer atopischer Erkrankungen), erhöhte Raten internalisierender und externalisierender Symptome sowie der Entwicklung schwerer psychischer Störungen (SPS).

Die transgenerationale Transmission psychischer Störungen (TTPS) ist ein Hauptrisikofaktor für die Entwicklung von SPS, was auch durch viele internationale Studien bestätigt wird. D. h., Kinder psychisch kranker Eltern stellen mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächste Generation psychisch Erkrankter, was wiederum mit signifikanten DALYs und hohen gesellschaftlichen Kosten verbunden ist. Demzufolge stellen sie eine zentrale Zielgruppe für selektive (d. h. an Risikopopulationen gerichtet) Interventionsprogramme dar.

Eine aktuelle Meta-Analyse zu den Transmissionsmechanismen konnte zeigen, dass es spezifische Effekte der elterlichen Erkrankung auf die Kinder gibt. Z. B. zeichnen sich Kinder von Eltern mit uni- und bipolaren affektiven Störungen eher durch Multifinalität aus (d. h. die elterliche psychische Erkrankung erhöht das Risiko für psychische Erkrankungen der Kinder generell für unterschiedliche Störungen), wohingegen Kinder von Eltern mit Angststörungen auch eher an Angststörungen erkranken (Spezifität). Zugleich gibt es Hinweise darauf, dass die Transmission in Teilen auch immer spezifisch ist, da es eine Tendenz der Kinder gibt, die gleiche Störung wie die Eltern zu entwickeln. Generell fehlt es an Studien, die die spezifischen Transmissionsmechanismen für die Vielzahl elterlicher psychischer Störungen prüfen.

Ein zusammenfassendes Modell zur TTPS identifiziert vier Hauptbereiche (1. Eltern, 2. Familie, 3. Kind, 4. Soziale Umwelt), die miteinander interagieren und durch fünf Transmissionsmechanismen (1. Genetik, 2. Pränatale Faktoren, 3. Eltern-Kind-Interaktion, 4. Familie und 5. Soziale Faktoren) beeinflusst werden. Zwar gibt es zu den einzelnen Bereichen des Modells verschiedene empirische Studien, die allerdings nur einzelne Aspekte (z. B. die Familien- oder die Kind-Ebene) und nicht das umfassende Modell fokussieren.

Ziele der Studie

  1. Die Durchführung und Evaluation einer präventiven Intervention für Kinder psychisch kranker Eltern. Dafür sollen insgesamt 634 Eltern und ihre Kinder vor und nach einer elterlichen Psychotherapie untersucht werden, um die Effekte der Therapie auf die Kinder zu prüfen. Die Hälfte der Eltern erhält zudem ein Elterntraining (Triple-P), um mögliche zusätzliche Effekte eines solchen Trainings festzustellen.
  2. Die Identifizierung von Transmissionsmechanismen: Kinder von welchen Eltern (Art der Störung, Alter, Geschlecht, Komorbidität) haben ein höheres Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen? Wie wirken sich Geschlecht und Alter der Kinder aus? Welche Rolle spielen elterliche Erziehungsfertigkeiten, Stresserleben, Emotionsregulation und das Wissen der Kinder über die elterliche Erkrankung?
  3. Die Überprüfung eines Modells zur transgenerationalen Transmission psychischer Störungen, um daraus Transmissions- und Risikoprofile für die Verbesserung einer bedarfsgerechten Versorgung abzuleiten.
  4. Die Erfassung der Lebensqualität von Eltern und Kindern sowie gesundheitsökonomische Analysen zur Einschätzung der Kosten und Nutzen der Intervention.
  5. Die Ableitung präziser Empfehlungen für die Praxis zur Versorgung von Familien mit psychischen Erkrankungen.

Vorgehensweise

Mit einem kontrolliert-randomisierten Design sollen insgesamt 634 Familien mit elterlichen psychischen Erkrankungen und Kindern im Alter zwischen 1,5 und 16 Jahren evaluiert werden. Die Eltern werden entweder dem Studienarm

  1. qualitativ hochwertiger kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) oder
  2. KVT + Positive Parenting Program (PPP)

zugeteilt. Ziel ist es festzustellen, wie groß die Effekte elterlicher Psychotherapie auf die Gesundheit ihrer Kinder sind und ob das zusätzliche PPP zu spezifisch inkrementellen Effekten führt. Psychische Störungen der Eltern und Kinder werden mit dem Diagnostischen Interview bei psychischen Störungen (DIPS) bzw. dem Kinder-DIPS erfasst sowie mit Fragebögen für Eltern (Brief Symptom Inventory/BSI) und Kinder (Child Behavior Checklist/CBCL). Des Weiteren werden Erziehungsfertigkeiten, elterlicher Stress, Lebensqualität von Eltern und Kindern, das Wissen der Kinder zur elterlichen Erkrankung und gesundheitsökonomische Variablen erfasst. Nach psychotherapeutischer Erstvorstellung der Eltern und Untersuchung von Eltern und Kindern (mit den aufgeführten Erhebungsinstrumenten) erfolgt eine ca. 6-monatige Wartezeit, zu deren Ende Eltern und Kinder erneut untersucht werden (gleiche Instrumente). Nach Randomisierung erhalten die Eltern dann entweder KVT oder KVT+PPP.

Nach Ende der elterlichen Therapie sowie 6 Monate später werden Eltern und Kinder erneut mit den genannten Instrumenten untersucht, um die Effekte der elterlichen Therapie auf die Kinder kurz- und langfristig festzustellen. Der primäre Endpunkt ist die Einschätzung der kindlichen Symptomatik mit dem Lehrerurteil (Differenz zwischen Beginn und Ende der elterlichen Therapie sowie zwischen Beginn und 6-Monate Follow-up).