Wirtschafts- und Organisationspsychologie
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Lehrforschungsprojekte

Lehrforschungsprojekte (LFPs)

Ein zentrales Element in der Ausbildung unserer Studierenden stellen im Masterstudium Wirtschafts-, Organisations- und angewandte Sozialpsychologie die Lehrforschungsprojekte dar. In dieser Lehrveranstaltung lernen die Studierenden eigenständiges wissenschaftliches Handeln, indem Sie in unter Anleitung der DozentInnen in Kleingruppen und über zwei Semester hinweg an einem konkreten Forschungsprojekt arbeiten. Hierbei lernen Sie, von der ausgehenden Forschungsfrage bis zum Anfertigen eines publikationsreifen Manuskripts, den empirischen Forschungsprozess kennen.

Die in Lehrforschungsprojekten durchgeführten Studien werden häufig im Anschluss auf wissenschaftlichen Fachkonferenzen präsentiert und führen im weiteren Verlauf nicht selten zu Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften.

Im Folgenden finden Sie eine beispielhafte Auswahl studentischer Lehrforschungsprojekte, die in den letzten Jahren am Lehrstuhl Wirtschafts- und Organisationspsychologie durchgeführt wurden.


LFP

lfpDozenten: Prof. Felix Brodbeck & Dr. Eleni Georganta

Semester: SoSe 2018 & WiSe 2018/2019

Keywords: Multikulturelle Teams, Kulturelle Intelligenz,Teamprozesse

Kurzbeschreibung:
Während Teamarbeit seit mehreren Jahrzenten eine bestehende Realität der Arbeitswelt darstellt, ist in den letzten Jahren die Relevanz von kultureller Diversität im organisationalen Kontext stark gestiegen. Der Umgang mit unterschiedlichen Kulturen trägt zwar ein hohes Potential für eine erfolgreiche Zusammenarbeit in sich, kann aber auch eine Herausforderung für Teams darstellen. Die jüngste Gruppenforschung hat sich aus diesem Grund mit der Suche nach Faktoren beschäftigt, welche die Zusammenarbeit multikultureller Teams fördern. Dazu gehört unter anderem das Konstrukt der kulturellen Intelligenz (CQ), das die Fähigkeit beschreibt, sich an neue kulturelle Konzepte anpassen zu können. Während bisherige Studien kulturelle Intelligenz als individuelle Fähigkeit oder als durchschnittliches Ausmaß der individuellen Ausprägungen innerhalb eines Teams erfassten, fehlt ein Instrument zur Messung von CQ auf Teamebene. Das Lehrforschungsprojekt verfolgte zwei Ziele: zum einen die Entwicklung und Validierung eines Fragebogens zur Messung des CQ Konstruktes auf Teamebene (TCQ) und zum anderen die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen TCQ, Teamprozessen und Teamleistung. Zu diesem Zweck wurde eine Onlinestudie mit insgesamt 32 multikulturellen Teams aus verschiedenen Organisationen und Branchen durchgeführt. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass der neu konstruierte Fragebogen zur Messung des TCQ eine gute Reliabilität und Validität aufweist. Gleichzeitig konnte der positive Einfluss von TCQ auf Teamprozesse bestätigt werden: kulturintelligentere Teams zeigten einen stärkeren Zusammenhalt und mehr gegenseitiges Vertrauen unter den Teammitgliedern.


LFP Stress 4.0

stress 4.0


Dozenten:
Prof. Erika Spieß, Dr. Julia Reif & Katharina Pfaffinger (M.Sc.)

Semester: SoSe 2018 & WiSe 2018/2019

Keywords: Stress 4.0, Neue Stressoren durch die Digitalisierung, Veränderung der Arbeit

Kurzbeschreibung:
Die Digitalisierung und ihre Auswirkungen ziehen weitreichende Veränderungen in der Arbeitswelt nach sich. Daraus ergeben sich für die Beschäftigten auch neue Herausforderungen, die Stress auslösen können. Das hohe Stressniveau der Beschäftigten bestätigen aktuelle Studien. Im LFP wurden zum einen verschiedenste Stressquellen aufgrund eines Fragebogens, der im Rahmen des Projektes Impress (http://www.excellence-in-stress-management.eu) entwickelt wurde, sowie deren Faktorenstruktur quantitativ (N=979) untersucht. Klassische Stressfaktoren wie Multitasking oder häufige Unterbrechungen werden immer noch als besonders belastend wahrgenommen. Es kristallisierte sich ein Faktor mit unterschiedlichen Stressoren aus dem Bereich der Digitalisierung heraus (komplizierte neue Technologien, Sorgen bezüglich des Datenschutzes und der digitalen Überwachung, etc.).
Zum anderen wurden 12 qualitative Interviews mit Personalverantwortlichen aus Unternehmen sowie mit Therapeuten geführt, in denen nach existierenden und notwendigen Interventionen gefragt wurde, die den Beschäftigten beim Umgang mit Stressoren in einer digitalisierten Arbeitswelt helfen könnten. Es wurden Interventionen auf verschiedenen Ebenen genannt, die von Achtsamkeitsübungen im Rahmen von Coachings/Therapien bis hin zu einer Aufklärung über Stresskonsequenzen auf der gesellschaftlichen Ebene reichten.


LFP Soziale Konflikte im Kontext der Mensch-Technik-Interaktion

mensch-technik-interaktion


Dozenten:
Prof Dr. Sarah Diefenbach & Stefan Tretter

Semester: SoSe 2018 & WiSe 2018/2019

Keywords: Konflikte, soziale Normen, Smartphone-Nutzung

Kurzbeschreibung:
Ein großer Teil der Kommunikation des Alltags ist heute durch Technik vermittelt (Computer-Mediated Communication, CMC): von der Kommunikation via E-Mail und Chat im Arbeitsumfeld bis zur schnellen Nachricht via WhatsApp an Freunde und Familie. Mitunter kommt es hierbei aber auch zu Missverständnissen und Missstimmungen. Beispielsweise warten wir länger auf eine Antwort als erwünscht, oder die Antwort des Kommunikationspartners scheint uns zu kurz oder lieblos und führt in Folge zu negativen Gefühlen gegenüber dem Kommunikationspartner. Mögliche Gründe hierfür sind fehlende kontextuelle und non-verbale Informationen, welches es erlauben würden, die Antwort des Kommunikationspartners im Rahmen der Situation (z.B. Person ist in einem Meeting, hat keine Zeit für ausführliche Antwort) und den intendierten emotionalen Ausdruck angemessen zu interpretieren. Auch der sogenannte fundamentale Attributionsfehler bzw. die Tendenz, eher die Person als die Situation als Ursache eines Verhaltens zu sehen, spielt möglicherweise eine Rolle. Das LFP untersuchte die Rolle kontextueller Informationen für Attributionsprozesse und widmete sich in einer quantitativen Studie der Wahrnehmung negativ interpretierbaren Antwortverhaltens, sowie der Frage, welche Modifikationen am Kommunikationskanal eine Attribution auf die Persönlichkeit des Gegenübers verhindern können. Es zeigte sich, dass kurzangebundene E-Mail-Antworten mit Tippfehlern, wie sie für eine unter Zeitdruck verfasste E-Mail typisch sind, auch zu einer negativen Bewertung des Verfassers insgesamt führen. Mediiert wurde die negative Bewertung über die Attribution der Antwort-Email auf die Person (vs. die Situation).


LFP Die Rolle des Kommunikationsmediums bei sozio-emotionalen Nachrichten


rolle kommunikationsmediumDozenten: Prof Dr. Sarah Diefenbach & Stefan Tretter

Semester: SoSe 2018 & WiSe 2018/2019

Keywords: Kommunikationsmedien, sozio-emotionale Nachrichten, Feedback

Kurzbeschreibung:
Die stetig ansteigende Nutzung von Kommunikationstechnologien im (Arbeits-)Alltag führt dazu, dass auch Nachrichten mit sozio-emotionalem Inhalt immer häufiger auf diesem Wege überbracht werden. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass die spezifischen Charakteristika des jeweiligen Kommunikationskanals die Aufnahme des Inhalts durch den Empfänger beeinflussen. Während Einflussfaktoren auf die Wahl des Kommunikationskanals durch den Sender in sozio-emotional aufgeladenen Situationen bereits intensiver untersucht sind, wurde der Wahrnehmung des Empfängers in diesem Kontext bisher weniger Aufmerksamkeit zuteil. Zeigen sich in Abhängigkeit des gewählten Kommunikationsmediums Unterschiede im Einfluss einer sozio-emotionalen Nachricht auf den Empfänger? Welche Rolle spielen dabei die Valenz des Inhalts und die Beziehung zwischen Sender und Empfänger? Die Studierenden gingen im LFP der Frage auf den Grund, ob die Eigenschaften des Kommunikationskanals im Zusammenspiel mit der Art des Feedbacks und dem Verhältnis der Beteiligten einen Einfluss auf die Reaktionen des Empfängers haben. Die Ergebnisse einer experimentellen Vignettenstudie lassen darauf schließen, dass gewählte Kommunikationskanal sowie die Beziehung zum Sender zweitrangig sind, und die Konsequenzen von erhaltenem Feedback in erster Linie davon abhängen, ob die Rückmeldung für den Empfänger positive oder negative Bedeutung hat.


LFP Ambidextrous Leadership – Eine qualitative Studie zur Exploration des Phänomens Temporal Flexibility

leadership

Dozenten: Prof. Dr. Felix C. Brodbeck, Dr. Katharina G. Kugler, Josef H. Gammel

Semester: WiSe 2016, SoSe 2017

Keywords: Temporal Flexibility, Ambidextrous Leadership, Innovation


Kurzbeschreibung:
Der Innovationsprozess ist von wechselnden Anforderungen geprägt: Mitarbeiter müssen auf der einen Seite neue, kreative Ideen generieren und auf der anderen Seite diese Ideen auch effektiv und effizient umsetzen. Gemäß der Theorie der ambidextren Führung fördern Führungskräfte die Entwicklung neuartiger Ideen durch Opening-Verhalten und die Umsetzung dieser Ideen durch Closing-Verhalten. Zudem müssen sie über Temporal Flexibility verfügen – die Fähigkeit, zeitlich flexibel und entsprechend situativer Anforderungen zwischen beiden Verhaltenskomponenten zu wechseln. Während Opening- und Closing-Verhalten bereits empirisch untersucht wurden, ist bisher unklar, welche Verhaltensweisen die Temporal Flexibility der Führungskraft kennzeichnen. Um Temporal Flexibility Verhalten zu explorieren, wurden 13 teilstrukturierte Interviews mit Mitarbeitern und Führungskräften aus dem Innovationskontext geführt. Eine Inhaltsanalyse ergab 12 Kategorien, welche unterschiedliche Temporal Flexibility Verhaltensweisen der Führungskraft beschreiben. Diese wurden deduktiv in drei Meta-Kategorien zusammengefasst: Es wurden Temporal Flexibility Verhaltensweisen unterschieden, die Transitions-, Aktions-, oder sozio-emotionale Prozesse von Teams beeinflussen. Durch die Konkretisierung von Temporal Flexibility Verhalten trägt diese Forschung zu einem besseren Verständnis von Führung im Innovationsprozess sowie zu einer ganzheitlicheren Betrachtung von Ambidextrous Leadership bei. Darüber hinaus wurde die Grundlage für die Entwicklung eines Messinstrumentes zur Erfassung von Temporal Flexibility Verhalten geschaffen.


LFP Emotionale Nachhaltigkeit

SustainabilityDozenten: Prof Dr. Sarah Diefenbach

Semester: SoSe 2015 & WiSe 2015/2016

Keywords: Nachhaltigkeit, Produkterleben, Customization

Kurzbeschreibung:
Seit Jahren berichten Konsumstatistiken immer kürzere Austauschzyklen in Produktbereichen aller Art. Konsumentenbefragungen zeigen: die Gründe, warum Produkte weggeworfen und durch neue ersetzt werden, sind nicht immer pragmatischer Natur. Oft ist auch ein Gefühl der Grund – das Gefühl, das Produkt passt nicht mehr zu mir - der "psychologische Nutzen" des Produkts ist erschöpft. Wie lässt sich diese emotionale Nachhaltigkeit von Produkten in der Produktgestaltung adressieren und steigern? Im LFP wurde dieses Konzept der emotionalen Nachhaltigkeit sowohl in empirischen Befragungen im Feld als auch in experimentellen Laborstudien beforscht. Als ein vielversprechender Ansatz zur Steigerung der emotionalen Produktbindung erwies sich Customization, d.h. der Einbezug des Konsumenten im Gestaltungsprozess.

nach obenPublikation zum LFP:
Diefenbach, S., Jung, S., Diller, T., Franze, C. & Maciejczyk, S. (2018). The secret of self-made: The potential of different types of consumer participation in the product production process. Social Sciences, 7(4), 52. doi:10.3390/socsci7040052
https://www.mdpi.com/2076-0760/7/4/52


LFP Beziehungsregulation in der Führungskraft-Mitarbeiter-Interaktion: Die Passung zwischen erwarteten und wahrgenommenen relationalen Modellen als Schlüssel zum Erfolg

Fit

Dozenten: Prof. Dr. Felix Brodbeck & Dr. Katharina Kugler

Semester: SoSe 2014 & WiSe 2014/2015

Keywords: Führung, Beziehungsregulation, Person-Supervisor-Fit

 
Kurzbeschreibung:

Die Theorie der relationalen Modelle (Fiske, 1992) postuliert, dass Menschen vier grundlegende relationale Modelle (RMs) zur Beziehungsregulation nutzen; so auch in der Mitarbeiter-Führungskraft-Interaktion. Es wurde untersucht, ob eine Passung zwischen den Erwartungen der Mitarbeiter (d.h. Ideal) und der von Mitarbeitern wahrgenommenen Realität (d.h. Real) hinsichtlich der RMs positiv mit der wahrgenommenen Beziehungsqualität und der Arbeitszufriedenheit zusammenhängt.


LFP Zusammenhang zwischen der Komplexität von Unternehmensleitbildern – als Indikator der Organisationskultur – und Konfliktmanagement sowie organisationaler Gerechtigkeit im Arbeitsalltag

komplexität


Dozenten: Prof. Felix Brodbeck, Dr. Katharina Kugler

Semester: WiSe 2009 / 2010, SoSe 2010

 

Die Studie dieses LFPs wurde über das LFP hinaus weitergeführt und im Journal „Negotiation and Conflict Management Research“ veröffentlicht.

Titel der Veröffentlichung: Corporate Communication and Worker Perceptions of Conflict Management and Justice

Zusammenfassung der Veröffentlichung:
Organizations are well advised to develop a conflict culture promoting constructive conflict management and cooperation. But what does such a culture look like? Research from international and political relations has demonstrated that the level of integrative complexity (IC) as disseminated in political messages is an important factor in the context of conflict management. In our research, we hypothesize that, similar to political messages, corporate communication, which emphasizes a complex (i.e., differentiated and integrated) way of understanding multidimensional issues, is connected to cooperative conflict management and related variables like perceptions of organizational justice. Results of a multilevel field study support this proposition. Whereas the level of organizational
IC was assessed by rating organizations’ communication (specifically their vision or mission statements published on the Internet), perceptions of conflict management and justice were assessed by asking employees. The study emphasizes the utility of addressing organizational level variables in relation to organizational members’ perceptions.

Link zur Veröffentlichung: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/ncmr.12042